Beispiel einer Work

 

Die Situation: ich sehe eine Jugendliebe in einer vollen Kneipe wieder. Er unterhält sich mit einer gemeinsamen Freundin, schaut deutlich in meine Richtung und grüßt mich nicht.

 

Eine Work über den Satz "Er beachtet mich nicht"

 

1. Ist das wahr? Er beachtet mich nicht?

Ja.

 

2. Kannst du absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Er beachtet mich nicht?

Nein.

 

3. Wie reagierst du, was passiert, wenn du das denkst?

Ich mache mich klein und fühle mich unsicher. Ich tue so, als ob ich ihn ebenfalls nicht beachte. Ich schäme mich dafür, dass ein Teil von mir sich immer noch sehnlichst wünscht, von ihm beachtet zu werden. Ich erlaube mir nicht zu diesen Gefühlen zu stehen. Ich fühle mich elend und im Körper ein bißchen wie erstarrt.

 

4. Wer wärest du, wenn du den Gedanken nicht glauben würdest? Wer wärest du in diesem Augenblick ohne den Gedanken, er beachtet mich nicht?

Ich genieße seinen Anblick. Ich genieße es, ihn zu sehen. Seine Stimme ist in meinem Ohr (obwohl ich sie jetzt real gar nicht höre) und es ist wie ein Streicheln an meinem Trommelfell. Ich mag seinen freundlichen und offenen Blick. Auf einmal empfinde ich ganz viel Liebe. Ein Teil von mir wird diesen Mann vielleicht immer lieben. Und alles, was ich brauche, ist diese Liebe nun in meinen Inneren zu spüren.Ich sehe nun, wie präsent er ist, ganz in ein Gespräch vertieft und seine Augen klar und offen auf mich gerichtet. Ich fühle mich liebkost von dem was ich sehe und empfinde. Ein tolles Gefühl.

 

Kehre den Gedanken nun um. Finde für jede Umkehrung mindestens drei Beispiele, warum das auch wahr oder sogar wahrer ist, als die ursprüngliche Aussage.

 

Er beachtet mich.

1. Er schaut direkt in meine Richtung.

2. Er unterhält sich intensiv mit meiner Freundin und hat nur Augen für mich.

3. Er erspart mir ein peinliches Gespräch, wie wir mal hatten, als ich ihn ein anderes Mal nach Jahren traf und fragte, ob er wisse wer ich sei: sagte er "NATÜRLICH weiß ich wer du bist". 

 

Ich beachte ihn nicht.

1. Ich tue cool, vermeide es, echten Blickkontakt zuzulassen.

2. Ich stelle die ganze Zeit innere Forderungen an ihn (beachte mich, komm zu mir, sprich mit mir...). Wirklich be-achtet hab ich dabei nur diese Forderungen, nicht ihn.

3. Er war nie der große Redner. Unsere Beziehung war anders. Was ich an ihm immer mochte, war seine Art, seine Präsenz und Ruhe. Beides kann ich jetzt sehen und beachte es nicht.
4. Ich habe ihm nie gesagt, wie sehr ich ihn mochte.

 

Ich beachte mich nicht.

1. Ich unterdrücke meinen Impuls hinzugehen und Hallo zu sagen.

2. Ich beachte nicht, wie schön sich die Erinnerung an diese jugendliche Verliebtheit in mir anfühlt. Ich erlaube mir nicht, dieses herrliche Gefühl in diesem Moment nochmal spüren zu dürfen.

3. Ich gehe augenblicklich in das Gefühl des Mangels, anstatt das zu tun, wozu ich herkam: mit meinen Freunden dort zu tanzen und Spass zu haben.